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Veröffentlicht am 25.08.2016 von Georg Zsifkovits

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Drei Songs zwischen Ballermann-Wahnsinn und geistiger Verkleisterung

Bronko und Rosi, die musikalischen Werbefiguren des süßklebrigen Jostabeerenlikörs mit dem klingenden Namen „Ficken“, liefern uns eine drei Songs umfassende EP, die in ihrer Kürze alles verkörpert, was man für eine durchzechte Partynacht in der Großraumdisco braucht.

Auf „instrumentaler Seite“ bestehen die drei Dreiminüter aus weitestgehend monotonen Beats und simplen Melodien, die in erster Linie als Trägerobjekt des Alkoholgenusses dienen.
Track Nummer 1 „Trink ma noch a Tröpfchen“ ist – wie es auch nicht anders sein könnte – die schlagkräftige Saufhymne für den Likör, der nebenbei auch der Nachnamensgeber des Duos ist – richtig: Bronko und Rosi Ficken.

Aus dem Henkeltöpfchen

Das intellektuelle Niveau des Werks hält sich wie üblich bei derartiger Musik in enggezogenen Grenzen, das macht aber nichts – es geht nicht um Tiefgang oder musikalische Rafinesse, es geht um Party, Mann! Schon der einleitende Satz der ersten Strophe, der sich über die ersten 30 Sekunden wie ein Mantra wiederholt, bringt es auf den Punkt: „Trink ma noch a Tröpfchen, trink ma noch a tröpfchen, aus dem kleinen Henkeltöpfchen.“ Ein Henkeltöpfchen ist übrigens ein kleines mit einem Henkel versehenes Trinkgefäß. Womit dieses Henkeltöpfchen des Ficken-Duos gefüllt ist, ist selbsterklärend. Nach dem Eröffnungsmantra starten wir in die Story des Stücks: „Oh Susanna, du hast am Arsch nen Leberfleck. Oh Susanna, der Leberfleck muss weg.“ Ob Susanna ihrem Leid schlussendlich ein Ende setzen konnte, bleibt ungewiss. Sollte es je eine Auflösung des Mysteriums gegeben haben, waren wir zu diesem Zeitpunkt bereits zu hackedicht, um uns zu erinnern. Es war ein Tröpfchen zu viel! Doch die Vermutung liegt nahe, dass der Song tatsächlich nur aus den drei oben genannten Textzeilen besteht und wir diesbezüglich auch weiterhin im Dunklen gelassen werden. Umso besser, die Klientel derartiger ist ohnehin nicht hier, um sich Texte zu merken.

„Karamba Karacho ein Ficken!“ schafft die Kehrtwende gegenüber dem Titelsong. Es ist der philosophische Beitrag der EP, scheint die Existenzängste der Protagonisten widerzuspiegeln. „Karamba Karacho ein Ficken!“ erzählt die Geschichte des Luders Dolores und ihres ehemals Geliebten, einem schwarzbraun-behaarten Gaucho, der sich nach ihrer Trennung in einer Spelunke am Hafen von Rio de Janeiro landet, um sich mächtig einen hinter die Binde zu kippen. „Karamba Karacho ein Ficken! Kamramba Karacho ein Gin!“ Mit für dieses Genre ungeahnter Virtuosität (es werden mindestens 37 verschiedene Wörter verwendet) erzählen Bronko und Rosi diese märchengleiche Geschichte. Und niemals vergessen sie dabei ihre oberste Botschaft des übermäßigen Alkoholkonsums.

Die Nachspielzeit

Um die „Trink ma noch a Tröpfchen“ EP zu einer dreieckigen Sache zu machen, schmeißen sie uns zum Schluss noch „Keiner wird es wagen“ hinterher. Das Stück basiert auf dem Titellied und unterscheidet sich nur im Text von diesem. Es ist die Kampfansage an jeden, der es wagt sich gegen das Deutsche Fußballnationalteam in den Ring zu stellen. Naja, hat nicht viel gebracht.

Bronko und Rosi Ficken sind ausschließlich gekommen, um uns gedankenlose, vernebelte und alkoholschwangere  Partynächte zu versüßen. Und das schaffen sie wohl auch. Gehirnabschalten und gehen lassen.

Drei Songs zwischen Ballermann-Wahnsinn und geistiger Verkleisterung Georg Zsifkovits
Musik
Texte
Ballermann-Faktor

Summary:

2.3


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